Das faule Geschäft mit den Eiern

Alles, was du zum Thema Eiproduktion wissen solltest.

Eine idyllische Berglandschaft. Hühner erkunden die weiten Wiesen. Bei Sonnenaufgang macht sich ein junger Bio-Bauer mit lockigem Haar und Grashalm im Mund auf den Weg zu seinen glücklichen Hühnern. Während die Hennen noch friedlich schlafen, begutachtet er sie mit einem warmherzigen Lächeln und sammelt schließlich behutsam Ei für Ein ein.

Der Schein trügt.

Werbungen dieser Art vermitteln ein falsches Bild, wie es in den großen Brütereien, Legehennen-Betrieben und Schlachthäusern wirklich zugeht.


Zahlen & Fakten zur Eiproduktion

In der Europäischen Union werden mehr als die Hälfte (53%) aller Legehennen in ausgestalteten Käfigen gehalten. In Österreich ist die häufigste Haltungsform die Bodenhaltung. Mehr Information darüber findest du weiter unten.

Haltungsformen in Österreich und der EU

Österreich:

EU:

Geschlüpfte Küken in Österreich

Quelle: statistik.at


Pro kopf Ei-Konsum in Österreich

Im Jahr 2017 konsumierten die Österreicher/innen im Durchschnitt 239 Eier pro Kopf.

Quelle: statistik.at


Das Leben einer Legehenne

Normalerweise werden Eier von den Hennen ausgebrütet. In den großen Brütereien hingegen, wo Legehennen gezüchtet werden, übernimmt eine Wärmelampe die Rolle der Mutter. Wie Kekse auf einem Backblech werden die Eier in die großen Brutkästen gesteckt. Nach etwa 21 Tagen erblicken die Küken das Sonnenlicht beziehungsweise das Licht der Wärmelampe.

Sofort nach der Geburt werden die Neugeborenen auf ein Fließband geschaufelt. Das Wohlergehen des Tieres steht dabei im Hintergrund. Wenn sich ein Küken verletzt, hat es eine sehr geringe Überlebenschance. Oft sterben Tiere schon am Förderband, weil sie irgendwo eingeklemmt sind oder vom Fließband fallen. Bevor es für die weiblichen Küken in den Aufzuchtbetrieb geht, werden ihnen ihre empfindlichen Schnabelspitzen abgeschnitten.

Nach etwa vier Monaten, wenn die Junghennen zum ersten Mal Eier gelegt haben, verlassen die Tiere den Aufzuchtbetrieb und werden an verschiedene Betriebe verkauft. Schlussendlich entscheidet nur der Zufall in welcher Haltungsform sie landen werden.

Quelle: animalfair.at


Das Leben eines männlichen Küken

Männliche Küken können weder Eier legen, noch als Masthuhn verkauft werden, weil sie zu dünn sind. Deshalb werden sie “gesext”. Sexen bedeutet das Aussortieren von männlichen Küken. Dabei werden die Baby Hähne bei vollem Bewusstsein in den Küken-Schredder geworfen oder vergast. In dem Video siehst du, wie männliche Küken aussortiert und getötet werden.

9,3 Millionen männliche Küken wurden im Jahr 2017 in Österreich getötet.

Quelle: animalfair.at


Projekt Bruderhahn - Die Lösung?

Im Jahr 2016 startete ein Projekt der Bio-Eierbranche namens “Der Hahn, die Henne und das Ei”. Das Projekt soll sicherstellen, dass neben den weiblichen auch die männlichen Küken aufgezogen werden. Österreich hat sich für das Projekt entschlossen. Die kleinen Hähne können sich freuen. Sie werden nun nicht sofort getötet, sondern erst später, wenn sie genügend Gewicht zugelegt haben und als mageres Hähnchenfleisch zu verkaufen sind.

Für das Küken stellt sich bloß die Frage “Willst du geschreddert oder die Kehle aufgeschnitten bekommen?”

Quelle: bio-austria.at


Die Haltungsformen

Im Jahr 2017 wurden in Österreich etwa 6,7 Millionen Legehennen gezählt (ca. 396 Millionen in der EU). Die verbreitetste Haltungsform in Österreich ist die Bodenhaltung (64%), gefolgt von der Freilandhaltung (23 %). Nur noch 1% der Landwirte benutzen Ausgestaltete Käfige. Im Vergleich zu den Zahlen der EU wirkt Österreich beinahe vorbildhaft. 53 Prozent der Landwirte in Europa halten Legehennen in ausgestalteten Käfigen!

Österreich:

EU:

Käfighaltung / Ausgestaltete Käfighaltung

53% aller Legehennen in der EU leben in ausgestalteten Käfigen.

Unter den schlimmsten Bedingungen leben Hennen in Käfighaltung. Die Tiere leben in kleinen Drahtkäfigen inmitten einer fensterlosen Halle. Bei einer klassischen Käfighaltung steht der Henne eine Fläche zur Verfügung, die ⅔ eines A4 Blattes entspricht.

In Österreich ist die konventionelle Käfighaltung seit 2009 verboten (EU-weit seit 2012). Nun gibt es die “ausgestalteten Käfige”, welche etwas “besser” sind. Die neuen Käfige bieten eine Fläche von 750 cm2 (Quadratzentimeter!) pro Tier; und enthalten Sitzstangen, Legenester und eine Scharrfläche.

Die Lebensumstände in einem ausgestalteten Käfig sind trotz den Veränderungen absolut inakzeptabel. Artgerechte Tierhaltung ist in Käfigen nicht möglich. Viele leiden wegen dem Bewegungsmangel an Osteoporose und Fettleber.

Die Aufnahmen von PETA zeigen das Leid der Tiere in ausgestalteten Käfigen:

Quellen:
PETA
animalfair.at
Greenpeace


Bodenhaltung

64% aller Legehennen in Österreich leben in Bodenhaltung.

Bei der Bodenhaltung müssen sich neun Hennen einen Quadratmeter teilen. Wenn Sitzstangen und Legenester in der Halle angebracht sind, dann dürfen es sogar bis zu 18 Hennen pro Quadratmeter sein.

In so einer Halle schwirren bis zu 6.000 gestresste Hennen umher. Die Tiere sind überfordert. Bei einer so großen Gruppe auf so engem Raum können die Hennen keine Hierarchien bilden und Hackordnungen erstellen. Das führt zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Die häufigste Todesursache der Legehenne ist der Stress, welche durch den Platzmangel ausgelöst wird.

Nach der Legeperiode, ca,. nach 1,5 Jahren, leiden die meisten Tiere an einem furchtbaren Zustand des Gefieders und anderen Krankheiten. Oft kommt es zu Brustblasen, Veränderungen und Brüche am Brustbein, welche durch das lange Liegen kaltem und feuchtem Boden verursacht werden.

Die Aufnahme stammt aus einem Bodenhaltungsbetrieb in Niedersachsen, Deutschland. Das Huhn leidet unter Federpicken und einer Brustblase.
Quelle: obs/PETA

Die rote Vogelmilbe ist die verbreitetste Milbenart in der Geflügelhaltung. Die Milben befallen die Tiere nachts und saugen ihr Blut ab.

Aus Langeweile picken die Hennen ihre eigenen Federn oder Kot und streiten regelmäßig mit ihren Artgenossen. Die Auseinandersetzungen können im schlimmsten Fall in Kannibalismus enden.

Hier siehst du ein Video, wie es in einer AMA-Gütesiegel Legehennenfabrik (Bodenhaltung) zugeht:

Quelle: PETA


Freilandhaltung

In Österreich leben 23% der Legehennen in Freilandhaltung. Die maximale Herdengröße beträgt 3.000 Hennen. Das Besondere ist, dass Tiere tagsüber eine Auslaufmöglichkeit im Freien haben. Der Auslaufbereich muss 8m2 pro Tier zur Verfügung stellen. Die Bedingungen im Stall sind jedoch dieselben wie bei der Bodenhaltung.


Bio-Freilandhaltung

Die Bio-Freilandhaltung ist die “tierfreundlichste” aller Haltungsformen. Im Stall stehen sechs Hennen ein Quadratmeter zu. Draußen im Auslaufbereich muss jeder Henne zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen. Der große Unterschied zur Freilandhaltung ist, dass die Tiere biologisch erzeugtes Futter bekommen. Außerdem sind vorbeugende Medikamentenverabreichungen verboten.


Dann wäre es doch in Ordnung, Bio-Freilandeier zu essen oder?

Meine Meinung ist Nein. Jede Haltungsform endet für das Tier in einem verfrühten Tod. Die natürliche Lebenserwartung eines Huhnes beträgt rund acht Jahre. Legehennen in der Eiproduktion werden nach etwa eineinhalb Jahren geschlachtet, auch das Bio-Huhn.

Legehennen stammen aus denselben Brütereien und sterben in denselben Schlachthäusern. Auch Bio-Hühner werden meist nicht in einem eigenen Bio-Schlachthof geschlachtet, sondern landen genauso wie die anderen auf dem Förderband eines konventionellen Schlachthofs.

Alle Haltungsformen weisen eine hohe Sterberate auf. “In einer Halle mit 10.000 bis 30.000 Hühner sterben jeden Tag etwa 5 bis 15 Tiere.” (PETA Deutschland) Um die Mortalitätsrate in Grenzen zu halten, werden das Futtermittel und Wasser mit Antibiotika und anderen Medikamenten angereichert (ausgenommen Bio-Freilandhaltung).

Quellen:
animalfair.at
PETA


Die Schlachtung

Das Leiden der Tiere beginnt schon beim Transport. Mehrere Hühner werden gleichzeitig an den Füßen gepackt, und kopfüber in eine kleine Kiste gestopft. Dabei kommt es oft zu Verletzungen an den Flügeln oder Beinen der Tiere. Während der Fahrt zum Schlachthof gibt es für die Tiere kein Wasser und Futter.

Am Schlachthof werden die Hühner dann an den Füßen kopfüber aufgehängt und mit dem Kopf durch ein Wasserbad, durch das Strom fließt, gezogen. Das sollte die Tiere betäuben. Fehlbetäubungen sind keine Seltenheit. Sind die Tiere panisch; setzt der Schlächter die Elektroden falsch an; oder sind schlichtweg zu viele Tiere in einer Betäubungsbox, dann kann eine Betäubung schiefgehen. In diesem Fall muss das Tier bei vollem Bewusstsein mitbekommen, wie seine Kehle durchgeschnitten wird.

Quellen:
PETA: Im Schlachthof
Eier: So leiden Hühner in deutschen Haltungssystemen - PETA